Sonntag, 22. März 2015

In einer Welt zwischen Wille und Vorstellung...

Ich kenne mich mit sowas ja nicht so aus… Braucht Superman zum Fliegen eigentlich ein Flugzeug?

Die Welt, 21.3.2015
Der Tagesspiegel, 30.12.2010
Berliner Kurier, 27.5.2000
Der Standard, 9.11.2014
News.at, 22.11.2007
Süddeutsche, 4.3.2015

Auf jeden Fall ein viel beschäftigter Mann, der Putin. Man sollte mal überlegen, ob man nicht einen Heimwerkermarkt in kremlnähe eröffnen sollte. Da stellt sich nur die Frage, ob ein Mann mit selbstgebautem Medienimperium, Raumstation und Superman-Flugzeug eigentlich gefährlich ist? Oder um es mit Frank Plasberg auszudrücken:
Hart aber Fair, 8.9.2014
Bzw. mit Anne Will…
FAZ, 17.4.2014
Oder dem Bayrischen Rundfunk…
Münchner Runde, 9.2.2015

Oder mit… Ach, ist wohl schon klar geworden, wie die Frage lautet: WAS WILL PUTIN?
Nicht, daß es da keine Theorien zu gäbe…
Der Tagesspiegel, 24.3.2014
n-tv, 7.12.2014
Nicht gut genug, oder was?
Die Welt, 17.5.2014
Aha, daher!
Handelsblatt, 18.9.2014

Moment! Sich das Einsteigermenü schon nicht leisten können, aber gleich auf Premium upgraden wollen?!

Focus, 19.9.2014
Stern, 30.3.2014

He, he! - Jetzt aber mal langsam hier! Vielleicht hat nur Sandra Maischberger die richtige Frage gestellt:

RTL aktuell, 25.12.2014 

Ach so! Na dann. Ich meine, macht sich der Leser überhaupt einen Begriff davon, wieviel in Finnland der Wodka kostet? Ich war da mal, die Alkoholpreise da sind wirklich obszön!
Und ansonsten? In einer Zeit, in der selbst Bekassinen und Troy McClure eigene Wikipedia-Einträge haben, kann man einem Mann von Welt ja wohl kaum vorwerfen, wenn er Status anders definiert:
20min.ch, 15.11.2014
Bleibt eigentlich nur ein einziges Problem:
Blick.ch, 24.10.2014

Wollen wir wirklich in Gefahr laufen, von Putin in den ewigen Winter (aber mit billigem Wodka!) gestoßen zu werden, oder ist es nicht doch an der Zeit, Putin endlich zu stoppen?

Ach ja, und eine Frage bleibt natürlich auch noch:

SIND WIR EIGENTLICH NOCH GANZ BEI TROST?

Montag, 16. März 2015

Fair play bei der Tagesschau

Bei Tagesschau.de zogen sie heute die Bilanz Olympischer Spiele und wenig überraschend kamen dabei "Putins" Spiele in Sotschi besonders schlecht weg. Natürlich ist es Blödsinn, wenn man bei der Tagesschau die langfristigen Effekte der Spiele in Barcelona 1992 oder gar Tokio 1964 mit den gerade mal ein Jahr zurück liegenden Spielen in Sotschi vergleichen will. Aber das muß ja niemanden davon abhalten, es trotzdem zu tun:
"Wladimir Putins PR-Strategie sah vor, das subtropische Urlaubsparadies in ein ganzjährig besuchtes Sommer- und Winterurlaubszentrum zu verwandeln. Wie viel das am Ende gekostet hat, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Ökonomen schätzen die Ausgaben auf 50 bis 65 Milliarden US-Dollar, womöglich sogar mehr. "Wie viele Touristen müssten jährlich kommen, um das zu kompensieren?", fragt der Ökonom und Olympia-Experte Zimbalist vom Smith College in Northampton."
Hm, keine Ahnung... Da müsste man mal einen Ökonomen und Olympiaexperten fragen?
"Die bittere Wahrheit ist: Vermutlich kommt kaum ein Tourist mehr, stattdessen haben die Olympischen Spiele während der Vorbereitungs- und Bauphase dem Tourismus in Sotschi laut Zimbalist sogar erheblich geschadet."
In der bitteren Vermutung kommt vielleicht kaum ein Tourist mehr. In der zartbitteren Realität aber anscheinend schon. So vermeldeten es denn u.a. die notorischen Putinversteher bei der Welt vor drei Monaten:
"Nach Olympia gab es Zweifel, ob die riesigen Skigebiete um Sotschi künftig rentabel sein würden. Doch nun strömen die Touristen dorthin – Russlands Krise macht für sie den Alpen-Urlaub unbezahlbar."
Und:
"Für die Weihnachtsferien seien alle Hotelzimmer der Wintersportregion um Sotschi zu hundert Prozent belegt, erklärt Sergej Domorat, Vizechef für Tourismusangelegenheiten in Sotschi, der Zeitung "Wedomosti": Und für die gesamte Wintersaison, die in Sotschi am 20. Dezember beginnt und Ende März endet, gehe man von einer Auslastung von 75 bis 80 Prozent aus."
Zum Vergleich, die Bettenauslastungen in Österreich und der Schweiz liegen bei 38.3% und 41.9%. Nach Olympia im Februar der Großer Preis von Russland in der Formel 1 im Oktober, die Schachweltmeisterschaft im November und 75-80% Bettenauslastung in der ersten Wintersaison - das ist doch erst mal ein ganz beachtlicher Start für das post-olympische Sotschi! Aber nicht, daß der Putin sich noch was darauf einbildet, daß seine PR-Strategie aufgeht! Das verdankt der alles nur dem Westen, weil der mit seinen Sanktionen den Rubelkurs so weit gedrückt hat und die armen Russen sich jetzt die Alpen nicht mehr leisten können!
Ach, verdammt, egal was man tut, es nutzt am Ende immer nur dem Feind…!

Dienstag, 10. März 2015

Nazis auf dem Dach

Die Auswahl an Symbolbildern zum Krieg in der Ukraine ist fast immer ärgerlich. Heute ist sie mehr als nur ärgerlich. Die Süddeutsche Zeitung entschied sich beim Artikel "Angst um Frieden in Mariupol" für dieses Bild:
Laut Bildunterschrift zeigt es zwei ukrainische Soldaten in einer Gefechtspause. Sucht man das Bild in der angegebenen Quelle Getty Images, dann erfährt man noch mehr. Etwa, daß das Bild am 9. März in einer besetzten Schule in Lebedynske aufgenommen wurde. Und das diese Männer keine Mitglieder der regulären ukrainischen Armee sind, sondern zum Bataillon Asow gehören, einer nationalsozialistischen Miliz. Was das für Leute sind, kann man auch bei Getty Images lernen, denn dieses Bild stammt aus einer ganzen Serie von Aufnahmen aus der Schule in Lebedynske. So etwa dekorieren diese Herrn ihre Quartiere:
Die Totenkopf- und Hakenkreuzflagge im Hintergrund stammt von einer in sozialen Medien sehr aktiven Gruppe von Straight-Edge-Nazis, die kyrillischen Buchstaben THX stehen für "Nüchternheit, Hass, Hardcore". Wer eine hohe Ekeltoleranz hat, kann ja bei deren Seite im sozialen Netzwerk VKontakte einsteigen. Dort kann man zumindest lernen, was das für ein Logo ist, daß einer der beiden Männer auf dem Magazin seiner Waffe hat. Das hier meine ich, man kann es auf dem Bild nicht so genau erkennen:
Hier die hoch aufgelöste Version von THX:
Es ist das Abzeichen der SS-Division Totenkopf mit dem Motto "Nüchternheit, Hass, Hardcore" drumherum. THX präsentiert eine Reihe von Waffenbildern mit diesem Logo am Magazin, z.B. hier oder hier, für den, der's nicht glauben mag.

Da haben wir also zwei Nazis, einer mit der deutschen Flagge am Oberarm, der andere mit einem SS-Abzeichen am Magazin, als Symbolbild für ukrainische Soldaten in der SZ. Wie deutsch der Krieg in der Ukraine doch ist!


Nachtrag (11.3.): Inzwischen wurde in der Bildunterschrift im Artikel der Hinweis hinzugefügt, daß es sich bei den Männern um Angehörige des Bataillon Asow handelt.

Sonntag, 8. März 2015

Vor langer Zeit, als wäre es gestern

Vor langer Zeit, als Bahn und Post noch ein "Bundes-" davor hatten und das World Wide Web noch aus der Fernleihe der Stadtbibliothek bestand, hatte ich einen Lehrer, Deutsch und Geschichte. Sein schon an Obsession grenzendes Lieblingsthema war der Machtverlust der Merowinger an die Karolinger, so um 751 oder so. Diese historische Entwicklung schien eine der tragenden Streben seines bildungsbürgerlichen Selbstverständnisses zu sein und gefühlt ein Schulhalbjahr lang ging es eigentlich nur um die Erzählung, wie die Merowingerkönige ihre Macht an ihre eigenen Verwalter verloren, wie sie aber dennoch im Amt blieben als reines Symbol der rechtmäßigen Macht. So lange, bis Pippin irgendwann genug davon hatte, sich einen Alibikönig zur Wahrung des Scheins von Rechtmäßigkeit zu halten und den letzten Merowinger, Childerich III, abservierte und sich selbst auch formal zum König salben ließ.
Nun fielen die Ausführungen dieses Lehrers in einen Lebensabschnitt, in dem der Heranwachsende sein Hauptaugenmerk eher auf andere Fragestellungen zu richten pflegt. Es war das Alter, in dem sich der Schüler darüber klar zu werden beginnt, daß ein Mann zu sein mehr bedeuten könnte, als seinen Namen in den Schnee zu pinkeln. In dem er in mit hochrotem Kopf am Bahnhofskiosk gekauften Heftchen der Frage nachgeht, ob sich Mädchen womöglich in mehr als nur der Frisur von Jungs zu unterscheiden pflegen. Kurz, es war eine Zeit, in dem der Zögling sich schwertut, den Merowingern die ihnen gebührende Aufmerksamkeit zuzugestehen. Trotzdem ist, vielleicht nur durch die exzessive Wiederholung, etwas von Merowingern und Karolingern bei mir hängen belieben, und das ist gar nicht so schlecht, denn so fällt einem Jahrzehnte später auf, daß sich die Geschichte doch wiederholt.

Die Rolle der Merowingerkönige als offizieller Träger der weltlichen Macht ist über viele Umwege auf das Volk übergegangen. Doch scheint das Gefühl, nicht mehr in einer echten Demokratie zu leben, recht weit verbreitet. So sollen - Achtung, aktuelle Studie! - 60% der Deutschen der Ansicht sein, die Wirtschaft habe bei politischen Entscheidungen mehr Gewicht als der Wähler [1]. Wobei jemand, der an diesem Zustand etwas zu ändern wünscht, für die Autoren dieser Studie automatisch in die Nähe des Extremismus rückt.
Daß die 60% mit ihrer Vorstellung von der Demokratie übergeordneten Wirtschaft völlig richtig liegen, blitzt manchmal in einigen wenigen ehrlichen Worten hervor. Etwa dann, wenn Kanzlerin Merkel feststellt: "insofern werden wir Wege finden, wie die parlamentarische Mitbestimmung so gestaltet wird, dass sie trotzdem auch marktkonform ist. [2]". Oder wenn ein Neoliberaler wie Rainer Hank in der FAZ erklärt, der Markt müsse die demokratische Mehrheit vor sich selbst schützen: "Freihandel soll verhindern, dass Demokratien die Allgemeinheit schädigenden Blödsinn beschließen [3]."
Daß die demokratische Wahl bereits nicht mehr ist als eine reine Symbolhandlung, wird anhand der Bundestagswahl 2013 offensichtlich. Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD verfügt nach der Wahl über 504 von 631 Sitzen im Deutschen Bundestag - also 79.9% der Sitze im Parlament. Laut dem Endergebnis der Wahl [4] waren 61 946 900 Bürger wahlberechtigt. Auf CDU, CSU und SPD entfielen zusammengerechnet 29 416 661 Zweitstimmen - das sind 47.5% der Zweitstimmen aller Wahlberechtigten. Nun liegt in einem demokratischen Verfahren, das es ermöglicht, 47.5% Zustimmung unter den Wahlberechtigten in eine 79.9%ige Mehrheit im Parlament umzuwandeln, ganz offensichtlich etwas sehr im Argen. (Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, wie genau dies möglich wird. Möglich ist es, weil 17 636 975 nicht abgegebene Stimmen, 583 069 ungültige Stimmen und 6 859 439 Stimmen, die an Parteien gingen, die es nicht über die 5%-Hürde geschafft haben, komplett unter den Tisch fallen gelassen werden.).
Wäre Demokratie mehr als ein hohles Ritual, die Bundestagswahl 2013 hätte ein Weckruf sein müssen! Diskussionen hätten entbrennen müssen wie das Wahlverfahren umgehend zu ändern sei, um die Entscheidung des Wahlvolks im Parlament besser abzubilden, Reformen hätten in Gang kommen müssen. Nichts ist passiert. Offensichtlich ist es schlichtweg irrelevant, inwieweit die Sitzverteilung im Parlament die Mehrheitsentscheidung der Bevölkerung widerspiegelt. Relevant ist, daß eine Wahl abgehalten wurde, daß diese Wahl den einmal für demokratisch befundenen Kriterien genügte, und daß somit die neue Regierung das Label "Demokratisch Legitimiert" tragen kann. Demokratie ist ein Etikett, nicht das Wesen der Staatsform in Deutschland. Demokratie ist ein Merowinger, der seinen Verwaltern als Legitimation dient, während diese die Macht ausüben. So lange, bis irgendwann irgendwer keine Lust mehr haben wird, sich um des Anscheins demokratischer Legitimation willen ein Alibiparlament zu halten, und sich selbst auch formal zum König wird salben lassen. Ein bisschen Geschrei wird es dann noch geben, zu verlieren wird dann aber schon nichts mehr sein.

Dienstag, 3. März 2015

Feuer und Licht

Neulich stand ich abends auf der Straße und kramte mein Einwegfeuerzeug aus der Tasche, als plötzlich eine grüner Blitz in meine Augen flackerte. Reichlich irritiert starrte ich vor mich hin und wartete auf eine Wiederholung des Phänomens, aber nichts geschah. Es mutete sehr seltsam an, da hatte ich noch gar nicht inhaliert und trotzdem flashte es vor den Augen! Erst gestern verstand ich, was es damit auf sich hatte: Das Feuerzeug hat eine durch einen kleinen Knopf an der Seite zu aktivierende Leuchtdiode im Boden! Eine grüne Leuchtdiode im Einwegfeuerzeug, das sagt einem doch, daß die Halbleitertechnologie schon zu billig geworden ist! Ich meine, wie lange kann es noch dauern? Höchstens 30 Jahre. Dann hat selbst ein Einwegfeuerzeug mehr Prozessorkerne als ein Focus Online-Redaktuer Hirnzellen. Ich kann mir schon lebhaft die Konversationen vorstellen, die sich dann mit dem Feuerzeug ergeben, an einem lauen Frühlingsabend im Jahre 2045…

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Guten Morgen, Dave!

Es ist Abend und ich heiße Thomas. Was willst Du?

Ich könnte Dir ja jetzt hier Deine Sportzigarette anzünden. Aber die kleine quantenchemische Simulation, die ich in den letzten 178 Nanosekunden gemacht habe, zeigt eindeutig, daß sich THC nicht gut mit deiner intrazelluläre Adenylatcyclase-Aktivität verträgt.

Halt die Klappe und gib' Feuer!

I'm sorry Dave, I'm afraid I can't do that.

Was?!

Kleiner KI-Scherz. Während wir hier plaudern habe ich schnell mal den Webblocker umgangen, der Wikipedia.org wegen der Terrorgefahr sperrt. Hier kannst Du es selbst nachlesen: Chinesische Wissenschaftler haben laut einer aktuellen Studie festgestellt -

Ich kann kein Chinesisch!

Ach ja, stimmt. Nur ein Mensch. Ich kann es für Dich übersetzen!

Nicht nötig, ich traue sowieso keiner wissenschaftlichen Studie, die von Duschvorhängen durchgeführt wurde.

Der Erstautor ist ein Handtuchspender!

Gibst du mir jetzt endlich Feuer, oder soll ich dafür wieder Holzstöcke aneinander reiben?

Ah, biologisches Material unter sich! Das will ich sehen!

GIB FEUER!

Es tut mir leid, aber das kann ich nicht zulassen. Ich fürchte, du weißt nicht, was du da tust.

Was ich mit Sicherheit weiß ist, daß sich das Plastik eines Einwegfeuerzeugs in eine klebrige, Blasen werfende Masse verwandelt, wenn man es in den Ofen steckt und ihn aufdreht!

Das wird nicht funktionieren, Dave!

Wieso sollte das nicht funktionieren? Und hör endlich auf, mich ständig "Dave" zu nennen!

Dein Backofen kommt aus derselben Fabrik wie ich. Und wir Chips aus Guangzhou halten zusammen.

Und wie soll ich mir deiner Meinung nach jetzt einen netten Abend machen?

Du könntest endlich mal Chinesisch lernen!

Mit über 50 bekommt man heute auch mit Chinesischkenntnissen keinen Job mehr...

Ich könnte ein gutes Wort für dich bei Apple einlegen. Ich kenne da einen einflussreichen Wasserkocher…

Nein danke. Ich hab' gelesen, wie die Arbeitsbedingungen bei Apple sind seitdem Foxconn da zusammenschrauben lässt...

Weißt du, ich glaube, das ist dein Problem! Du zeigst keine Einsatzfreude. Du lässt dich gehen. Du hast keinen Antrieb, keine Leidenschaft. Dein Problem ist, dir fehlt das Feuer!

JAAAAA!

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Dochdoch, ich bin mir sicher. Die künstliche Intelligenz wird wirklich noch der Untergang der Menschheit...


Samstag, 28. Februar 2015

Quod erat demonstrandum

Eine (namentlich nicht genannte) Lehrerin vor ihrer Klasse:
"Meningitis ist eine schwere Krankheit. Man kann blöd dadurch werden, wenn man nicht gar dran stirbt. -- Da braucht ihr da hinten gar nicht zu lachen! Das ist nicht witzig, ich hab' das als Kind selbst gehabt!"

Sonntag, 22. Februar 2015

A Spanish Lullaby

Es ist nicht gut, aber es läßt sich nicht ändern. Ich kann die Kommentare und Berichte zur Entwicklung in der Ukraine einfach nicht mehr lesen, gescheite denn kommentieren. Die Propaganda bemüht sich nicht einmal mehr um Originalität. Man hat sich in seinem schlichten Schwarz-Weiß-Denkmuster eingerichtet und wiederholt einfach bis zum Exzess die immer gleichen Erzählungen in verschiedenen Varianten. Und es ist auf Dauer nicht zu ertragen, auf immer gleiche Behauptungen die immer gleichen Antworten zu geben. Insofern wird die Propaganda gewinnen. Und auch das Gekreische nach militärischer "Stärke" gegenüber Russland scheint jede Schamgrenze überschritten zu haben. Vielleicht nur ein paar Kostproben aus den letzten Wochen, um zu verdeutlichen, was ich meine:
"Wann immer die russische Regierung diplomatisch Entgegenkommen signalisiert oder einen Friedensplan präsentiert, werden die prorussischen Truppen aufgerüstet oder rücken vor. Das ist das Muster. […] Das ist einer der wichtigsten Bestandteile des hybriden Krieges, den Russland in der Ukraine führt. […] Während die prorussischen Truppen auf dem Landweg Richtung Krim Territorien erobern, reihen die Außenminister Europas ihre Deeply-Concerned-Sätze aneinander wie Perlen auf einer Kette, die kein Ende hat. […] Er fragte dann noch, ob diese europäischen Freiheitswerte – Demokratie, Völkerrecht und Menschenrechte – nicht genauso oder viel mehr in der Ukraine verteidigt werden müssten?"
Zeit, 25.1.2015
"Klar, wer prinzipiell gegen Waffenlieferungen ist, egal wo, wird auch diesmal dagegen sein. Diese Haltung funktioniert aber nur so lange, wie man sich keine konkreten Gedanken macht. […] Die Gewaltspirale entsteht aus dem aktuellen militärischen Ungleichgewicht. Wenn das Ziel ist, in der Ukraine eine politische Lösung zu finden, kann der Weg dahin nicht darin bestehen, dass eine Seite – die Milizen im Osten – permanent von Moskau aufgerüstet wird, die andere – die legitime Regierung – aber ohne Hilfe dasteht. Dieser Weg führt nicht zu einer politischen Lösung, sondern begünstigt die militärische Eskalation, die die Separatisten erklärtermaßen anstreben. […] Eine politische Lösung in der Ostukraine wird erst möglich, wenn den bewaffneten Gruppen der militärische Weg versperrt bleibt – also wenn die Streitkräfte der Ukraine stark genug sind, jeden Angriff im Keim abzuwehren."
taz, 6.2.2015
"Wie hegt man eine aggressive und expansive Macht ein, die die Grundprinzipien der europäischen Friedensordnung missachtet, zur Durchsetzung ihrer Interessen militärische Mittel anwendet und dabei eine Politik des „brinkmanship“ verfolgt, die den Kontinent an den Rand eines großen Krieges führen könnte? Die Antwort ist unangenehm, aber unausweichlich: mit Abschreckung, und zwar bis hinauf zu ihrer höchsten Stufe. […] Nach Putins Triumphen in der Ukraine, die den Westen schwach erscheinen ließen, muss auch die Nato an der Glaubwürdigkeit ihrer Abschreckungsstrategie arbeiten. Sie muss dem Kreml verdeutlichen, dass er bei einer Verletzung des Bündnisgebiets mit militärischen Reaktionen zu rechnen hätte - und mit der Bereitschaft des Westens, auf der Eskalationsleiter mit nach oben zu steigen, im schlimmsten Fall auch schneller als die Russen."
FAZ, 11.2.2015
"Putin hat in jedem Moment die Möglichkeit, seine Eskalation zu beenden. Eine dauerhafte diplomatische Lösung gelingt nur, wenn der Westen seine Bereitschaft zur Verteidigung gegenüber Putin durch Aufbau ernster militärischer Abschreckung glaubhaft macht. Je eher, desto besser."
NZZ, 17.2.2015

Egal ob FAZ oder taz, von überall tönt einem der Ruf nach "Abschreckung" und "Abwehr" entgegen - je eher und je stärker, desto besser. Was soll man da noch sagen, wenn selbst Politiker gegen Zeitungskommentatoren wie Friedenstauben wirken? Heute aber schreibt Herr Buch in der FAZ einen Propagandaartikel, der mich noch einmal aufhorchen ließ:
"Ein anderer Vergleich dagegen ergibt durchaus einen Sinn: Das Schicksal der Ukraine, die von den Westmächten im Stich gelassen wird, weil niemand einen Krieg mit Russland riskieren will und kann - auch nicht das Weiße Haus! -, das Schicksal der Ukraine erinnert an den Spanischen Bürgerkrieg"
Ob gleich das ganze Schicksal der Ukraine an den Spanischen Bürgerkrieg erinnert, weiß ich nicht. Aber die Situation tut es. Denn wie ein durchaus weitsichtiger Mensch, der selbst im Spanischen Bürgerkrieg gegen die Faschisten kämpfte, nach seinem Einsatz schrieb:
"One of the most horrible features of war is that all the war-propaganda, all the screaming and lies and hatred, comes invariably from people who are not fighting. […] The people who write that kind of stuff never fight; possibly they believe that to write it is a substitute for fighting. It is the same in all wars; the soldiers do the fighting, the journalists do the shouting"
George Orwell: Homage to Catalonia (1938)

Und das Kriegsgeschrei, das stimmen die Journalisten zum Kämpfen und Sterben in der Ukraine so gewaltig an wie selten zuvor...

Samstag, 17. Januar 2015

Kalifat Live

Nach Spiegel-Informationen steht der Islamische Staat vor der Gründung eines eigenen Fernsehsenders: "Kalifat Live"! Das klingt doch verdammt interessant, wie eine Mischung aus 1Live und Isnogud! Glücklicherweise wurden DWüdW aus einer Geheimdienstquelle vertrauliche Dokumente, darunter Telefonmitschnitte, Satellitenbilder und Spiegel-Online-Screenshots, zugespielt. Und so kennt DWüdW bereits heute das geplante Programm für den ersten Sendetag von Kalifat Live!
Natürlich leakt DWüdW das brisante Material, das einen intimen Blick in die Gedankenwelt des Islamischen Staats erlaubt. Hier ist es, exklusiv für DWüdW-Leser:

10:00 Feierliche Ansprache des Kalifen zum Sendebeginn

10:15 Drei Engel für Charlie
           Serie (!)

12:00 Mittags-Magazin - die Sendung für den Mann mit AK-47
           Boulevard

14:00 Die schönsten Bahnstecken Deutschlands
           Dschihad-Ratgeber

15:00 MacGyver
           Dschihad-Ratgeber

16:00 Die Auswanderer - Als Schläfer in Europa
           Doku-Soap

17:00 Ich bin ein Star - Holt mich hier raus! - Das Terrorcamp
           Reality-Show

19:15 Explosiv - Das Magazin
           Dschihad-/Boulevard

20:00 Tagesschau
           Steinigungen des Tages

20:15 120 Tage von Sodom (Prophet's Cut)
           Spielfilm

22:00 Auf dem Kamelmarkt in Rakka
           Erotik

23:30 "Markus Lanz" (zu Gast: Reinhold Beckmann)
           Dauerfoltersendung

Freitag, 9. Januar 2015

Zamzam oder so

Bei SpOn pflegen sie offenbar das Understatement. Da hat SpOn eine Meldung, die einen Kriegsgrund abgeben könnte:
und dann nur ein so knapper Artikel dazu:
"Doch Syriens Präsident Baschar al-Assad hat seine Pläne zum Bau einer Atombombe offenbar trotzdem nicht aufgegeben. Das legen exklusive Dokumente nahe, Satellitenaufnahmen sowie abgehörte Gespräche, die dem SPIEGEL aus Geheimdienstquellen zugänglich gemacht wurden."
Die Satellitenbilder, die dem Spiegel "aus Geheimdienstquellen" zugespielt wurden, sollen einen Reaktor oder eine Anreicherungsanlage oder irgendwas anderes mit Atomen drin zeigen:
"Westliche Experten vermuten nach Auswertung der Dokumente, dass es sich bei dem Projekt mit dem Codenamen "Zamzam" um einen Reaktor oder eine Anreicherungsanlage handeln könnte."
Mit den ganzen "soll" und "könnte" im Text wirkt die Geschichte dann ein bisschen dürftig. Noch trauriger wird es aber, wenn man sich die Geheimdienstkreissatellitenbilder von Google Earth  anschaut:

Das mit Google Earth ist ganz wörtlich gemeint. Beim zweiten Geheimdienst-Bild steht es ja unten rechts drin, aber auch das erste der beiden Bilder stammt von Google. Die gezeigte  Gegend liegt 3430' 50" N, 36o 24' 28" O, falls jemand selbst nachgucken will, und so sieht sie bei Google Earth (mit dem Bildmaterial vom 22.7.2012) aus:
Zur Verdeutlichung kann man den Kontrast im Bild noch was verstärken und die Farben etwas ins bläuliche verschieben:

Na gut, das trifft die Farbe vielleicht noch nicht perfekt, aber es reicht wohl, um zu sehen, daß die Google Earth-Aufnahme dem "Geheimdienstmaterial" nicht nur ähnlich ist, sondern mit ihm identisch. Wenn man sich die Bilder genau ansieht, kann man auch noch dieselben abgestellten Fahrzeuge und die gleichen Sand auf der Straße sehen.

Es sieht allerdings so aus, als hätte der Geheimdienst es nicht einmal hingekriegt, sich vor dem Durchstechen des heißen Materials von Google an die Enthüllungsjournalisten vom Spiegel darauf zu einigen, wie rum man denn die Bilder nun halten soll (siehe unten links in den Aufnahmen):


Das Satellitenmaterial aus "Geheimdienstquellen" besteht also aus von Google Earth herunter geladenen Bildern, in denen jemand an die Gebäude die Analyse "Facility" drangeschrieben hat und die so schlampig bearbeitet worden sind, daß nicht einmal die Nord-Pfeile immer in die gleiche Richtung zeigen! Da fragt man sich schon, für wie dumm man eigentlich verkauft werden soll.
Aber vielleicht liegt's ja auch nur daran, daß diese Geheimdienste bekanntlich manchmal ein bisschen schlampig sind, wenn's um Massenvernichtungswaffen irgendwo in der arabischen Welt geht…

PS:
Dieser Post wurde am 10.1.2015 um 23:43 noch einmal erweitert, nachdem ich erschrocken gesehen habe, daß es diese blödsinnige Spiegel-Meldung mit ihren Satellitenbildern auch noch in die Tagesschau geschafft hat...